Donnerstag, 14. April 2016

Level up!




Hardcore

Der Sänger und Gitarrist der russischen Band Biting Elbows, Ilja Naischuller, ist eigentlich Filmschaffender. Folgerichtig entstand unter seiner Regie das erste Musikvideo der Band. Der komplett in der Ego- oder First-Person-Perspektive gedrehte Clip zum Punk-Song Bad Motherfucker wurde ein viraler Hit und erregte somit die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit. Unter der Federführung von Russlands derzeit erfolgreichstem Hollywood- Export Timur Bekmambetov (Regisseur von Wanted, Produzent von Unknown User) wurde Naischuller so sein ersten Langfilm ermöglicht, der den Stil des Musikvideos übernimmt, als ultrabrutaler Bastard von einem Film Independent-Filmfestivals aufmischte und nun auf der großen Leinwand zu erleben ist. Die Story von Hardcore (im Original sinnvoller Weise nach seinem Protagonisten Hardcore Henry genannt) ist nicht weiter erwähnenswert und wird im Film schließlich auch nicht plausibel verfolgt, jedoch ist dies überhaupt nicht das Ansinnen der Filmemacher und fällt somit auch nicht ins Gewicht. Hier steht Stil eindeutig über Inhalt. Und dieser ist schlicht genial. Hardcore wird als erster Kinofilm in der reinen Egoshooter-Perspektive in die Geschichte eingehen. Doch Naischuller nutzt diese Technik nicht nur um tolle Bilder zu kreieren (gedreht wurde übrigens mit einer handelsüblichen GoPro Hero3), sondern huldigt den großen Ballerspielen der letzten Dekaden und der klassischen Popkultur an sich. Der Ablauf von Hardcore scheint dann auch einem Computerspiel entsprungen zu sein. Viele Szenen legen sich einen levelartigen Aufbau zugrunde. Die wiederkehrend benötigte Gesundheitsversorgung, verschiedenste Waffengattungen, zufällig gefundene Items, die die Handlung vorantreiben und zahlreiche Deus-Ex-Machina-Momente lassen die Herzen von Genrefans höher schlagen. Der ausufernde optische und akustische Overkill, in dem dieses Schema eingebettet ist, wird auch über die kompletten 90 Minuten Laufzeit konsequent durchgezogen. Trotz der satirischen Überhöhung der gesamten Szenerie ist die vergebene FSK-18-Einstufung damit auch nachvollziehbar gewählt. Da der eigentliche Hautdarsteller der gewählten Perspektive zufolge niemals auf der Leinwand zu sehen ist, bleibt dem Zuschauer aus dem Cast vor allem der Cameo von Hollywood-Legende Tim Roth und das abgedrehte Overacting des Südafrikaners Sharito Copley in Erinnerung, für das er in seinen Rollen aus District 9 oder Elysium noch hart kritisiert wurde, Hardcore nun aber perfekt zu Gesicht steht. Ein uneingeschränkter Spaß ist der Film dann aber dennoch nicht geworden. Besonders in der zweiten Hälfte schleichen sich doch einige Längen ein und bis zum herrlich abgedrehten Finale wird man auch das Gefühl nicht los bereits mehrere abschließende Shootouts gesehen zu haben. Die phantasiereiche Detailfülle der ersten Hälfte zumindest kann nicht durchgehend aufrechterhalten werden. Und natürlich sei Hardcore Gegnern wackliger Bilder und schneller Bildfolgen nicht empfohlen. Wer sich diesem Spektakel allerdings aussetzt wird mit einer zynischen, gewalttätigen Vision zwischen ambitionierten Fanprojekt und ausufernder Genreproduktion verwöhnt, die die vielleicht beste Computerspielverfilmung aller Zeiten ist, obwohl sie nicht auf einem solchen basiert und das Zeug zum absoluten Kultfilm hat. 

7/10

Für Fans von: Crank 2: High Voltage, Doom

Samstag, 9. April 2016

Der Parkplatzwächter von der Eisenbahn




Ein Mann namens Ove

Ein einsamer, grantiger Mann findet durch einen Blick über den Tellerrand Wege der Aussöhnung und letzten Endes zu sich selbst – die klassische Geschichte schwarzhumoriger Tragikomödien. Auch Ein Mann namens Ove arbeitet sich an den altbekannten Vorgaben dieser Storyline ab, die dank toller Darsteller und trockener und dennoch herzlicher Dialoge dennoch gut unterhalten. Der titelgebende Ove ist nach dem Tod seiner Frau und der eigenen Pensionierung des Lebens überdrüssig. Doch seine Suizidversuche werden stets unterbrochen. Meist sind nervende Nachbarn der Grund dafür – mit denen steht der selbsternannte Vorstadtwächter Ove ohnehin auf Kriegsfuß. Als eine junge persische Frau mit ihrer Familie in diese scheinbare Idylle platzt, bedingt der kauzige alte Mann seine Entscheidung zu überdenken. Eine so herkömmliche Ausgangssituation benötigt engagierte Mitwirkende, um ein überdurchschnittlicher Film zu werden. Bei Ein Mann namens Ove ist dies glücklicherweise der Fall. An vorderster Front begeistert Rolf Lassgård (hierzulande als Wallander berühmt geworden) als herrlich grantiger aber liebenswerter Einzelgänger. Er trifft genau den richtigen Ton um sowohl Parodie auf die typische Vorstadthölle als auch emotionales Zentrum der herzerwärmenden Geschichte zu sein. Zweiter Aspekt gewinnt mit zunehmender Spieldauer am Bedeutung, wenn äußerst stimmig in den Film integriert die Liebesgeschichte von Ove und seiner Frau Sonja mittels Rückblenden erzählt wird. Den schwarzen Humor der ersten halben Stunde kann der Streifen nicht beibehalten, durch einen sehr augenzwinkerndem Score und perfekt durchkomponierte Bilder macht Ein Mann namens Ove allerdings auch weiterhin Freude. Glücklicherweise bleibt der Film dem trockenen Humor seiner schwedischen Heimat treu. Doch auch die leiseren Töne, die sich hauptsächlich mit Trauerverarbeitung und dem Gebraucht werden beschäftigen, wirken durch die tolle Arbeit des Casts nicht fremd. Mit 117 Minuten wirkt Ein Mann namens Ove auf dem Papier recht ausgedehnt, doch gerade in der zweiten Hälfte des Films werden einige Nebenhandlungen recht hektisch abgefrühstückt und nicht auserzählt. Dem Ensemble hätte man auch noch etwas länger zugeschaut. So verdanken wir Hannes Holms fünfter Regiearbeit Ein Mann namens Ove schön anzuschauende und erheiternde Unterhaltung mit leichten tonalen Ungereimtheiten. 

7/10

Für Fans von: Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit, St. Vincent

Donnerstag, 7. April 2016

Willkommen in der guten Stube




10 Cloverfield Lane

Mit einem völlig neuen Einsatz von Marketing kam Cloverfield 2008 in die Kinos. Die Mischung aus absoluter Geheimhaltung und erstmals eingesetzten viralen Versatzstücken (so konnten Fans des Films sich vorab mit den MySpace-Profilen der Figuren beschäftigen) wurde mindestens genauso bekannt wie der unterhaltsamer Monster-Horror-Actioner. Der damals federführende Produzent und heutige Star Wars-Mastermind J.J. Abrams überließ Matt Reeves den Regieposten, der Cloverfield als Sprungbrett für seinen bislang erfolgreichsten und besten Film, Planet der Affen: Revolution nutze. Bei 10 Cloverfield Lane ist die Ausgangssituation nun fast identisch. Abrams hielt die Existenz des Films so lange wie nur möglich komplett geheim. Er ließ den Streifen unter wechselnden Namen drehen und veröffentlichte erst 8 Wochen vor Kinostart einen ersten Trailer. Den Regieposten übernahm in diesem Falle der Amerikaner Dan Trachtenberg, für den 10 Cloverfield Lane der erste Kinofilm seiner Karriere ist. Und ihm sei nach dieser Arbeit ein ebenso fruchtbarer Werdegang gewünscht wie Matt Reeves. Denn 10 Cloverfield Lane ist ein innovativer und hochspannender Thriller geworden. Wer sich nach J.J. Abrams Aussage, der Film spiele im selben Universum wie Cloverfield, oder sei dessen Blutsverwandter auf einen weiteren Monsterfilm in Handkameraoptik gefreut hat, wird von 10 Cloverfield Lane enttäuscht werden. Trachtenberg erzählt hier eine klassische Bunkergeschichte, in der Misstrauen, Angst und Ungewissheit den Nährboden für explosive menschliche Beziehungen bilden. Die Prämisse des Films sieht drei Menschen in einer Schutzanlage eingesperrt, die angeblich vor einem chemischen oder nuklearen Fallout schützt. Als scheinbarer Retter in der Not darf John Goodman nach unfassbaren 18 Jahren (Blues Brothers 2000) endlich mal wieder in einer Hauptrolle glänzen. Sein Bunkerchef Howard ist eine herrlich ungreifbare Persönlichkeit, die binnen Sekunden von väterlichem Freund zu besessenem Kontrollfreak und zurück schwankt. Goodmans Performance ist dabei schlicht genial. Als Heldin des Films darf Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt-Star Mary Elisabeth Winstead das neuste Mitglied der Bunkerfamilie geben. Sie wertet die klassische Charakterisierung des verlorenen Mädchens in einem Psychothriller durch ihre Intelligenz und Verschlagenheit deutlich auf. Ihre Figur geht auch dank des tollen Schauspiels über die Opferrolle hinaus. 10 Cloverfield Lane weiß auch technisch aus seiner Kammerspielathmosphäre Profit zu schlagen. Die behutsame Kameraarbeit und die etwas anachronistische Ausstattung der Zufluchtsstätte lassen an eine behütete Kindheit in der guten alten Zeit zurückdenken – ein Punkt der auch in der inhaltlich von Interesse sein wird. Als finsterer Kontrast darf gerne der bedrohliche Score des Serienkomponisten Bear McCreary gelten, der gezielt mit den Nerven des Zuschauers spielt. Bis zum überraschenden Ende dreht Dan Trachtenberg 103 Minuten unbarmherzig an der Spannungsschraube, um schlussendlich leider doch mit einer kleinen Enttäuschung zu enden. Die finale Entwicklung des Drehbuchs, an dem übrigens Whiplash-Regisseur Damien Chazelle mitwirkte, hat für mich doch die beeindruckende Sogwirkung des Films abgeschwächt. Für einen reinen Twist sind die letzten Minuten von 10 Cloverfield Lane zu offensichtlich und breitgetreten, für einen eigenen Handlungsstrang zu hektisch. Was bleibt ist ein großartig gespielter, größtenteils überraschender und optisch toller Thriller, der Lust auf mehr macht. 

8/10

Für Fans von: Misery, Raum, Krieg der Welten

Montag, 4. April 2016

Hoch auf dem braunen Wagen




Der schwarze Nazi

Sikumoya Mumandi hat es als Kenianer in Deutschland nicht einfach. Trotz seines großen Integrationswillens, seiner einheimischen Freundin und seiner bemerkenswerten Sprachkenntnisse wird er zur Zielscheibe rechtsextremer Gangs und lässt sich von Einwanderungsbefürwortern instrumentalisieren. Denn sein eigentliches Ziel, wie in seiner afrikanischen Heimat als Lehrer zu arbeiten, wird ihm verweigert. Sikumoya versucht nun deutscher Staatsbürger zu werden. Dieser Ausgangssituation folgt in Der schwarze Nazi eine groteske und schwarzhumorige Geschichte, in der Sikumoya nach einer Kopfverletzung den dumpfen Parolen der fiktiven Nationalen Patrioten Ost (NPO) anheim fällt, deren Mitglieder auf ihr wahres Deutsch sein prüft und sie letzten Endes rechts überholt. So entstehen die zweifellos witzigsten Szenen des Films in der Konfrontation fremdenfeindlicher Populisten mit altem, deutschen Kulturgut, wie etwa Goethes Osterspaziergang oder Franz Schuberts Am Brunnen vor dem Tore. Solche Szenen zeugen von einigen guten Regieeinfällen in Der Schwarze Nazi. Doch im Gesamten wirkt der Streifen recht uneinheitlich. Die für Regie, Drehbuch, Kamera und Schnitt verantwortlichen Brüder Karl-Friedrich und Tilman König präsentieren ihr Kinodebüt eher als lose Abfolge absurder Szenen und unwahrscheinlicher Konfrontationen. Die eigentliche Handlung wird dabei oft vernachlässigt, die unterdurchschnittliche technische Umsetzung des Films und der auffällig uninspirierte Schnitt sorgen zusätzlich für den Eindruck einer Sketchrevue, die in das Korsett eines Kinofilms gepresst wurde. Dazu kommen zur offen linken Einstellung der Verantwortlichen (die König-Brüder sind Söhne des umstrittenen Jenaer Jugendpfarrers Lothar König) teilweise äußerst platte Gags über die statische Arbeit der deutschen Ämter und das Verhältnis von Ost- und Westdeutschen, die den lobenswerten politischen Ansatz konterkarieren. Trotz seiner fehlenden inhaltlichen Balance und der geringen Schauwerte (bei einem Budget von etwa 60.000 € nachvollziehbar) ist Der schwarze Nazi ein unterhaltsamer Film geworden. Die Laufzeit von 105 Minuten geriet erfreulich kurzweilig, die meisten Gags zünden und legen im Idealfall auch den Finger in die richtigen Wunden. Gelungen ist ebenfalls die musikalische Gestaltung des Films durch das Klangkollektiv Sciencemusic, die sich durch eine spannende Mischung aus stampfenden Industrialbeats und einer Persiflage auf deutsche Volkslieder sowie -musik auszeichnet. Abschließend kann man Karl-Friedrich und Tilman König ihr Engagement und ihre vielfältigen Ambitionen zugutehalten, einen wirkliche guten Film haben die beiden aber dennoch nicht geschaffen.

5/10

Für Fans von: Heil, Schtonk!

Freitag, 1. April 2016

Spaziergang statt Radtour








Silent Heart – Mein Leben gehört mir

Bille August hat sich verdientermaßen in seiner langen und erfolgreichen Karriere sowohl einen Platz unter den Filmemachern europäischen Autorenkinos erarbeitet, ebenso wird er als zielstrebiger Regisseur für größere, internationale Produktionen geschätzt. Und so finden sich in Augusts Vita neben prominent besetzten, englischsprachigen Streifen wie Les Miserables, Fräulein Smillas Gespür für Schnee oder Nachtzug nach Lissabon auch stetig kleinere Werke, die der Däne gern in seiner Heimat dreht. Zu letzterer Kategorie zählt der nun in den Kinos erscheinende Silent Heart. Das minimalistische Kammerspiel erzählt vom Wunsch der ALS-Erkrankten Esther noch unter vollem Besitz ihrer körperlichen Kräfte zu sterben. Zu diesem Zwecke lädt sie ihre gesamte Familie, die sie (zu Beginn) in ihrem Vorhaben unterstützt, zu einem gemeinsamen Abschiedswochenende in ihr abgelegenes Haus ein. Besonders in den Personen beider Töchter von Esther und ihrem Mann Poul lässt Silent Heart Lebensentwürfe aufeinander prallen. Leider scheinen diese gegensätzlichen Charaktere sehr nach Schema F konzipiert wurden zu sein. Zwangsweise prallen komplette Kontrapunkte aufeinander, wenn die Karrierefrau und Bilderbuchmutter auf die promiskuitive Tablettenabhängige stößt. Da die Konflikte des Films allgemein bereits recht früh offengelegt werden und sich erst äußerst spät entladen, kann die erste Stunde der 98 Minuten Laufzeit nur bedingt begeistern. Der klischeehaften Familienkonstellation setzen eiskalte, weißgehaltene Bilder, ein geheimnisvoller, zurückgenommener Score und vor allem der hervorragende Cast einige Pluspunkte entgegen. Besonders die Vertreter der ältesten Generation werden hier perfekt porträtiert. Die dänische Leinwandikone Ghita Nørby und Kultschauspieler Morten Grunwald (Benni aus den Olsenbande-Filmen) führen mit viel Wärme und Erfahrung, die ihre Figuren stets umgeben, ein tolles Ensemble an, aus dem der Eine oder Andere noch Pilou Asbæk (Lucy, Schändung, Borgen-Gefährliche Seilschaften) kennen könnte. Die Melancholie, die Silent Heart des Öfteren umgibt, erscheint so nie aufgesetzt, dazu wird auch die Thematik der Euthanasie nicht hetzerisch abgehandelt. Das Miteinander der Generationen gefällt somit überraschend gut. Wenn sich Silent Heart seiner minimalistischen Anlage folgend, auf seine Kernaussage und die tollen Schauspieler verlassen hätte, wäre hier ein bemerkenswerter Film entstanden. Doch ein schwaches Drehbuch voller Deus-Ex-Machina-Momente lassen ihn im Mittelfeld des europäischen Arthousekinos landen. 

6/10

Für Fans von: Amour, Million Dollar Baby

Sie sind keine Schande




Eddie the Eagle

Die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary brachten viele Helden und Legenden hervor. Katharina Witt wurde zur dominierenden Eiskunstläuferin ihrer Generation, das jamaikanische Viererbob-Team sorgte für Aufmerksamkeit (ebenfalls verfilmt in Cool Runnings aus 1993) und der „Fliegende Finne“ Matti Nykänen gewann sämtliche Skisprungwettkämpfe. In eben dieser Sportart fand sich aber unter den Olympioniken die wohl außergewöhnlichste und schillerndste Persönlichkeit, die Winterspiele jemals an die Oberfläche brachten. Michael Edwards, genannt Eddie, konnte sich als erster Brite seit 1924 für die Skisprung-Wettbewerbe qualifizieren. Seine ergreifende Lebensgeschichte, die der gelernte Maurer stets mit dem Ziel formulierte Olympionike zu werden, erzählt nun Eddie the Eagle. Edwards war schon wegen seiner körperlichen Erscheinung nur bedingt zum Sportler geboren. Er kämpfte in seiner Jugend mit extremer Weitsichtigkeit, Übergewicht und kaputten Knien. So wurde sein unbeholfenes Auftreten ebenfalls zum Markenzeichen. Mit Taron Egerton fand man schließlich einen Hauptdarsteller, der trotz scheinbar entgegengesetzter Körperlichkeit einen großartigen Michael Edwards abgibt. Jede typische Bewegung und seltsame Mimik sitzt, der sportlich gebaute Kingsman-Darsteller ist kaum wiederzuerkennen und verschwindet komplett hinter seiner Filmfigur. In der zweiten Hauptrolle kann Hugh Jackman als Eddies Trainer Peary Bronson überzeugen. Der Australier gibt mit all seiner Routine und Starpower zusammen mit Egerton ein hervorragendes Gespann ab. Die meisten weiteren Figuren hingegen kranken leider an einem sehr durchschnittlichen Skript. Sowohl Edwards Eltern, als auch die konkurrierenden Skispringer, die Eddie für eine Beleidigung ihres Sports halten, sind ähnlich den britischen Olympia-Verantwortlichen sehr klischeebehaftet und eindimensional gezeichnet wurden. Eddie the Eagle schmückt sich als klassisches Bio-Pic natürlich mit dem Siegel 'based on a true story'. Doch die Filmemacher (unter anderem mit Kingsman-Regisseur Matthew Vaughn als ausführendem Produzenten) rund um den Briten Dexter Fletcher nehmen sich doch einige künstlerische Freiheiten, um das Geschehen auf der Leinwand zu dramatisieren. Vor allem Hugh Jackmans Figur und dessen Hintergrundgeschichte, die dramaturgisch einen hohen Stellenwert im Film einnimmt, sind frei erfunden. Auch die resolute Herbergsmutter Petra kann nur dem Gehirn eines Drehbuchschreibers entsprungen sein. Immerhin bieten diese beiden Beispiele Möglichkeiten für nette Cast-Aufwertungen. So konnte das Studio Babelsberg, das gleichzeitig als Produktionsfirma, sowie als Drehort für Eddie the Eagle fungierte, Iris Berben mit der größten weiblichen Rolle besetzen, während Christopher Walken einen Cameo-Auftritt in der Nebenstory um Peary Bronson hat. Dazu darf auch die englische Schauspiellegende Jim Broadbent noch einen Gastauftritt absolvieren. Das größte Plus von Eddie the Eagle ist jedoch zweifellos die Stimmung, die dieser Film verbreitet. Nie wurde der olympische Gedanke wirksamer auf Zelluloid gebannt, selten wurde der Begriff des Feel-Good-Movies so sehr mit Wahrhaftigkeit gefüllt. Denn auch wenn man am Ende der 105 Minuten Laufzeit weiß, dass Eddie the Eagle Potential für einen wirklich außerordentlich großartigen Film gehabt hätte, so fühlt man sich ob der Lebensgeschichte von Michael Edwards einfach nur gut. 

7/10

Für Fans von: Cool Runnings, Billy Elliot – I will Dance, Rocky

Samstag, 26. März 2016

Schön gegen Blöd


Batman v Superman: Dawn of Justice

Großes hat man sich im Hause DC vorgenommen. Ein filmisches Universum so erfolgreich wie Marvels MCU soll rund um die Justice League etabliert werden. Mit Man of Steel wurde der wohl berühmteste der DC-Helden, Superman, zu diesem Zwecke cineastisch aufbereitet, The Flash bekam eine erfolgreiche TV-Serie. Bevor die Einzelabenteuer von Batman, Aquaman, Wonder Woman und co. in den nächsten Jahren zu Marvels großen Konkurrenten heranreifen sollen, drehte Man of Steel-Regisseur Zack Snyder nun den zweiten Teil der großen DC-Superhelden-Trilogie, die 2017 bzw. 2019 mit dem geteilten Finale Justice League 1 und 2 vollendet wird. Doch nach beschwerlichen 151 Minuten Batman v Superman: Dawn of Justice steht fest: An Iron Man und Captain America kommen die DC-Helden, zumindest in ihrer Kinoauswertung, derzeit nicht heran - der Film ist eine ziemliche Enttäuschung geworden. Batman v Superman schließt direkt an die Ereignisse in Man of Steel an. Batman/Bruce Wayne ist in Gotham erbost über die Zerstörung, die mit der Offenlegung der Fähigkeiten Supermans/Clark Kent in der direkten Nachbarstadt Metropolis einhergeht. Der in den Medien bereits hartnäckig geführte Kampf um den tatsächlichen Gewinn für die Menschheit durch Supermans kryptonische Fähigkeiten treibt so einen unüberwindlichen Keil zwischen den Mann aus Stahl und den Gerechtigkeitsfanatiker im Fledermauskostüm. Was eine stringente und fesselnde Geschichte um den Einfluss und die Notwendigkeit von Superhelden hätte werden können, wird in Batman v Superman durch ein völlig überfrachtetes Drehbuch bereits im Kein erstickt. Die üppige (aber, und das sei dem Film hoch angerechnet, niemals langweilige) Spielzeit hetzt in irrsinnigem Tempo zwischen Figuren, Schauplätzen und losen Nebenhandlungen hin und her. Der titelgebende Kampf zwischen den ikonischen Rettern verfehlt dann seine Wirkung auch vollends. Zumal dieser effektiv nur wenige Minuten Screentime einnimmt. Stattdessen werden häppchenweise Nebencharaktere und Subplots eingeführt, die den unvorbereiteten Zuschauer irritieren und gerne nur in einminütigen Szenen präsentiert werden. Generell richtet sich Batman v Superman ausdrücklich an alle, die Man of Steel sahen und idealerweise auch mit den thematisch passenden Comics vertraut sind. Auch in puncto Figurenzeichnung offenbart der Streifen deutliche Schwächen. Lois Lane war in Man of Steel noch essentiell für das Fortkommen des Plots, hier wird sie eher als klassische Damsel in Distress charakterisiert, die viel Zeit mit Gerettet werden verbringt. Dazu hilft die neu eingeführte Senatorin June Finch (Holly Hunter) der Geschichte nicht wirklich voran, da sie, ähnlich wie der Zuschauer, um Durchsicht in der überladenen Geschichte kämpft. Batman selbst bleibt von dieser Problematik auch nicht verschont. So bekommt er einige schwülstig- aufgeladene Origin-Plotpoints spendiert, welche aber nicht zu seiner charakterlichen Tiefe beitragen. Diese bildet sich in diesem Film aus der Abneigung gegen die Taten Supermans und nicht aus Batmans schwieriger Kindheit. Zu alledem ist ein Solo-Batman-Film bereits von DC angekündigt worden. Dies bringt mich zum definitiv besten Teil des 250 Millionen Dollar-Projekts: dem Cast. Ben Aflleck ist als Batman schlicht eine Idealbesetzung. Seine Reputation muss natürlich noch gedeihen, was pure Physis und Überzeugungskraft als Figur angeht, sollte er aber sowohl Michael Keaton als auch Christian Bale-Fans sehr zufrieden stellen. Henry Cavill kann als Superman stärker überzeugen, als noch in seinem Solo- Abenteuer Man of Steel, da seine dramatische und etwas unpassende weiche Seite nicht so extrem ausgelotet wird. Die Meinungen über die Performance von Jesse Eisenberg als Lex Luthor werden hingegen auseinandergehen. Hingabe wird dem New Yorker zumindest niemand abschlagen wollen, die Liste mit memorablen DC-Schurken ist allerdings auch ziemlich lang. Positiv überrascht war ich außerdem von Gal Gadot als Wonder Woman/Diana Prince, die reihenweise Szenen stiehlt und den scheinbar übermächtigen Herren eine beeindruckende Kameradin sein wird. Dazu wiederholen Laurece Fishburne, Kevin Costner und Diane Lane ihre Rollen aus Man of Steel, während Jeremy Irons erstmals in die Rolle von Batmans treuem Helfer Alfred schlüpft, der konsequent gegen den Strich gescriptet wurde und so für die wenigen humoristischen Momente in diesem bemüht düsteren Film sorgt. Optisch bleibt Zack Snyder seinem Stil treu und sorgt mit ausufernden Actionsequenzen und vielen Verneigungen vor der Comicvorlage für reichlich Augenfutter. Abschließend möchte ich noch ein Wort über die heißerwartete musikalische Zusammenarbeit von Hans Zimmer und Junkie XL verlieren. Zwei der beliebtesten Filmkomponisten unserer Zeit schufen hier einen Soundtrack der bestens zum überladenen Superhelden-Clash passt. Die sakralen Chor- und Orchesterwerke Zimmers und die stampfenden Industrial-Beats des niederländischen Multiinstrumentalisten wollen sich nicht so recht ergänzen, sondern vervollständigen in ihrem akustischen Overkill den auf höchstem Niveau scheiternden Batman v Superman: Dawn of Justice. 

5/10

Für Fans von: Man of Steel, The Dark Knight Rises